In der Arbeit des hl. Johannes von Gott (1495-1550) liegen die Wurzeln der Barmherzigen Brüder. Johannes Ciudad, 1495 im portugiesischen Ort Montemor-o-Novo geboren, ist lange auf der Suche nach einem „richtigen“ Lebensinhalt. Nach Jahrzehnten der Suche hört er mit über 40 Jahren in Granada eine Predigt des hl. Johannes von Avila, die ihn tief bewegt. Er gründet daraufhin ein Hospital, um sich fortan um Kranke und Behinderte zu kümmern.
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Es handelt sich dabei um ein Projekt mit neuer Qualität: Johannes von Gott trennt die Patientinnen und Patienten nach dem Geschlecht und den Krankheitsarten. Geradezu revolutionär für die damalige Zeit ist, dass jeder Patient sein eigenes Bett erhält und Johannes von Gott als Erster mit einer schriftlichen Dokumentation des Behandlungs- und Pflegeprozesses beginnt. Neu ist aber auch seine ganzheitliche Behandlungsmethode. Er sieht den Geist und Körper des Patienten als eine Einheit, die ins Gleichgewicht gebracht werden muss. Nicht nur die Verordnung von Arzneien, auch das persönliche Gespräch gehört für ihn dazu. Ebenso ruft er Priester zur Seelsorge in sein Spital. Als Johannes 1550 stirbt, wird er von den Bewohnern Granadas bereits als Heiliger verehrt.
Das Handeln des heiligen Johannes von Gott für die Armen und Kranken überraschte und machte betroffen, wirkte aber zugleich wie ein Lichtstrahl, der neue Wege zu ihrer Betreuung und zum humanen Umgang mit ihnen wies. Er schuf praktisch aus dem Nichts ein alternatives Modell, wie man Bürger, Christ und dem Schwächsten Schwester oder Bruder sein kann. Diese prophetische Hospitalität wirkte wie ein Sauerteig im Gesundheitsdienst und in der Kirche. Das Modell des heiligen Johannes von Gott etablierte sich auch als kritisches Gewissen und eröffnete neue Wege für Hilfsinitiativen zum Wohle der Armen und Randgruppen.
Barmherzige Brüder heute
Die Barmherzigen Brüder sind ein weltweit tätiger Orden, der in 50 Staaten Kranken- und Pflegeheime, Sozialeinrichtungen und fachspezifische Schulen betreibt.
Die Mitglieder des katholischen Laienordens der Barmherzigen Brüder legen neben den drei Gelübden Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit auch das Gelübde der Hospitalität ab. Im Sinne der Hospitalität sorgen rund 1.232 Brüder gemeinsam mit rund 45.000 MitarbeiterInnen und etwa 7.000 Ehrenamtlichen für kranke und alte Menschen, Menschen mit Behinderung, Sterbende, Drogenkranke, Obdachlose und Kinder, die Hilfe brauchen.
Noch heute ist das Motto des Ordensgründers, des hl. Johannes von Gott (1495-1550), „Gutes tun und es gut tun“ ein Grundsatz der täglichen Arbeit in den Einrichtungen.
Hospitalität – Grundlage der Arbeit der Barmherzigen Brüder
Hospitalität – christliche Gastfreundschaft – bedeutet für die Barmherzigen Brüder, den Sendungsauftrag des Ordens, sein Apostolat für Kranke, Alte, Behinderte und Benachteiligte in der Gesellschaft zu erfüllen.
Die Hospitalität beruht auf der dreifachen Wurzel des Christ-Seins: Verkündigung, Gottesdienst und der gelebten Praxis des Glaubens im täglichen Dienst. Sie zielt auf drei Arten der Hilfeleistung ab: Grundbedürfnisse des Menschen erfüllen, Linderung psychosozialer und existentieller sowie gesellschaftlicher Mängel. Der Mensch soll heil werden in der Beziehung zu sich selbst, in der Beziehung zu anderen sowie in der Beziehung zu Gott.
Neue Hospitalität
Die „Neue Hospitalität“ versucht, Antworten auf gesellschaftliche Fragen und Probleme unserer Zeit zu geben und äußert sich in verschiedenen Ausprägungen. Sie wird sichtbar in Ambulanzen für Gehörlose, einer Armenambulanz für Mittellose und Unversicherte, einer Drogentherapiestation, einer Lebenswelt für Taubblinde mit Mehrfachbehinderungen etc. Auch in Form von Kooperationen mit anderen Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen versuchen die Barmherzigen Brüder, auf die aktuellen gesundheitlichen und sozialen Bedürfnisse unserer Gesellschaft zu antworten.